Anwendung von Stromumkehrventilen

Stromumkehrventile für Pneumatische Transportsystteme

Pneumatische Transportsysteme bewegen geeignete Fördergüter mithilfe eines Luftstroms durch geschlossene Rohrleitungen. Je nach Anlagenkonzept kann der Transport im Saug- oder Druckbetrieb erfolgen.

Ein Stromumkehrventil steuert dabei die Luftführung zwischen unterschiedlichen Prozesszuständen oder Leitungswegen. Dadurch kann der vom Seitenkanalverdichter erzeugte Luftstrom gezielt an den jeweils benötigten Förderweg geführt werden.

Der Seitenkanalverdichter ändert seine Drehrichtung nicht. Das Stromumkehrventil verändert ausschließlich die Führung des Luftstroms zwischen den angeschlossenen Leitungen beziehungsweise zwischen Saug- und Druckbetrieb.

 

Funktionsprinzip

Wie arbeitet ein pneumatisches Transportsystem mit Stromumkehrventil?

Der Seitenkanalverdichter erzeugt den für den Transport erforderlichen Luftstrom. Dieser wird über Rohrleitungen zur Eintragstelle, zum Förderweg und zum Zielbehälter geführt.

Das Stromumkehrventil wird in die Luftführung eingebunden und bestimmt abhängig von seiner Stellung, über welchen Weg der Luftstrom geführt wird.

Förderung durch Saugwirkung

Im Saugbetrieb wird Luft aus dem Rohrleitungssystem abgesaugt. Dadurch kann geeignetes Fördergut über eine Eintragstelle in den Luftstrom aufgenommen und in Richtung eines Empfängers oder Abscheiders transportiert werden.

 

Förderung durch Druckwirkung

Im Druckbetrieb wird Luft in die Förderleitung eingebracht. Das Fördergut wird durch den Luftstrom entlang der vorgesehenen Rohrleitung bewegt.

Welche Förderart geeignet ist, hängt unter anderem von Fördergut, Förderstrecke, Rohrleitungsführung und erforderlicher Luftleistung ab.

Aufgabe des Stromumkehrventils

Das Stromumkehrventil erzeugt selbst weder Druck noch Unterdruck. Es steuert ausschließlich den vom Seitenkanalverdichter erzeugten Luftstrom.

Je nach Ventilbaureihe und Anlagenverschaltung kann damit beispielsweise zwischen zwei Förderwegen oder zwischen Saug- und Druckbetrieb umgeschaltet werden.

Drei Prozessschritte

Fördern, umschalten und zum zweiten Ziel weiterfördern

Ein typischer Prozess mit zwei Förderwegen lässt sich in drei aufeinanderfolgende Schritte unterteilen.

01 Förderung zum Ziel A

Das Stromumkehrventil befindet sich in der ersten vorgesehenen Schaltstellung. Der vom Seitenkanalverdichter erzeugte Luftstrom wird über Leitung A geführt.

Das Fördergut wird entlang dieser Leitung zum ersten Zielbehälter beziehungsweise zur ersten Prozessstation transportiert.

02 Umschalten des Förderwegs

Das Stromumkehrventil wechselt in die zweite Schaltstellung. Die interne Luftführung wird verändert und der bisher aktive Leitungsweg wird verlassen.

Abhängig von Ventiltyp und Anlagenkonfiguration kann beim Umschalten eine Zwischen- oder Neutralstellung beteiligt sein. Deren genaue Funktion muss für die konkrete Ausführung geprüft werden.

03 Förderung zum Ziel B

Nach dem Umschalten wird der Luftstrom über Leitung B geführt. Das Fördergut kann nun zur zweiten Zielstation oder zu einem anderen Prozessabschnitt transportiert werden.

Auslegungshinweis:

Die tatsächlich möglichen Strömungswege ergeben sich aus der gewählten Ventilausführung und der Rohrleitungsverschaltung. Die schematische Darstellung ersetzt keine konkrete technische Auslegung.

Auswahl der Ventilfunktion

Leitungswechsel, Saugen oder Blasen?

Welche Ventilfunktionen benötigt werden, hängt von Produkt, Greifer, Taktzeit und gewünschtem Lösevorgang ab.

Leitungswechsel

Förderstrom auf einen anderen Weg umschalten

Bei geeigneter Ventilausführung kann der vom Seitenkanalverdichter erzeugte Luftstrom zwischen unterschiedlichen Förderleitungen umgeschaltet werden.

Damit können beispielsweise zwei Zielbehälter oder unterschiedliche Prozessstationen bedient werden.

Saugbetrieb

Fördergut durch Unterdruck aufnehmen

Im Saugbetrieb wird Luft aus dem System abgesaugt. Dadurch kann Fördergut über eine Eintragstelle in den Luftstrom aufgenommen und in Richtung des Empfängers transportiert werden.

Druckbetrieb

Fördergut durch einen Blasluftstrom bewegen

Im Druckbetrieb wird Luft in die Förderleitung eingebracht. Der Luftstrom unterstützt den Transport des Fördergutes entlang der Rohrleitung.

Neutral- und Zwischenstellungen

Nur bei geeigneter Ventilbaureihe

Das VI6-34 verfügt über dokumentierte Zwischenstellungen sowie eine Neutralstellung. Diese Funktionen sind nicht automatisch mit einem klassischen Leitungswechsel gleichzusetzen.

Ob sie in einem pneumatischen Transportsystem genutzt werden können, hängt von der konkreten Anlagenverschaltung und dem vorgesehenen Prozess ab.

VS: für Leitungs- und Betriebswechsel

Die Baureihe VS arbeitet mit zwei Schaltstellungen und kann laut FPZ-Unterlagen sowohl für die Umschaltung zwischen Saug- und Druckbetrieb als auch für den Wechsel zwischen unterschiedlichen Luftleitungen eingesetzt werden.

Short Facts

  • zwei Schaltstellungen
  • Umschaltung zwischen Saug- und Druckbetrieb
  • alternativ Leitungswechsel
  • magnetische oder pneumatische Betätigung
  • Reglerbewegung von etwa 0,10 Sekunden
  • unterschiedliche Strömungs- und Anschlussausführungen

Für die Auswahl müssen die jeweiligen Strömungsschemata und Anschlussvarianten berücksichtigt werden.

VI6-34 – fünf abgestufte Positionen

Das VI6-34 besitzt fünf voreingestellte Positionen:

  • vollständige Absaugung
  • teilweise Absaugung
  • Neutralstellung
  • teilweiser Druckbetrieb
  • vollständiger Druckbetrieb

Das Ventil arbeitet mit einem rotierenden Schieber und Schrittmotor. Digitale Eingänge sowie Modbus RTU sind als Steuerungsmöglichkeiten dokumentiert.

Die Wahl der geeigneten Ventilbaureihe richtet sich nicht nur nach der gewünschten Funktion. Auch Volumenstrom, Druck beziehungsweise Unterdruck, Anschlussgrößen, Steuerungsart, Taktzeit und Rohrleitungsführung müssen berücksichtigt werden.

Technische Voraussetzungen

Was muss bei pneumatischen Transportsystemen berücksichtigt werden?

  1. Fördergut

Art, Korngröße, Dichte, Form und Oberflächenbeschaffenheit des Fördergutes beeinflussen den erforderlichen Luftstrom und die geeignete Fördergeschwindigkeit.

  1. Förderstrecke

Länge, Höhenunterschiede und Verlauf der Rohrleitung wirken sich auf den erforderlichen Druck beziehungsweise Unterdruck aus.

  1. Rohrleitungsdurchmesser

Der Rohrleitungsquerschnitt muss zum Fördergut und zum benötigten Volumenstrom passen. Zu kleine Querschnitte erhöhen die Strömungsverluste.

  1. Bögen und Abzweige

Rohrbögen, Abzweige und Formstücke erhöhen den Strömungswiderstand und können den Materialtransport beeinflussen.

  1. Volumenstrom

Der Luftvolumenstrom muss so gewählt werden, dass das Fördergut zuverlässig transportiert wird, ohne unnötig hohe Strömungsgeschwindigkeiten zu erzeugen.

  1. Druck beziehungsweise Unterdruck

Die erforderliche Druckdifferenz ergibt sich aus Förderstrecke, Rohrleitungswiderständen, Fördergut und Anlagenkonzept.

Sicherheitsrelevant: Bei angehobenen Produkten muss die Haltefunktion auch bei Störungen berücksichtigt werden. Das Sicherheitskonzept kann je nach Anwendung unter anderem Vakuumüberwachung, Rückschlagventile, Speicher, Warnfunktionen oder zusätzliche mechanische Sicherungen erfordern.

Welche Angaben benötigt SKVTechnik für die Vorauswahl?

Für eine technische Vorauswahl benötigen wir Angaben zum Fördergut, zur Rohrleitungsführung und zum gewünschten Förderprozess.

Checkliste

  • Art des Fördergutes
  • Korngröße beziehungsweise Partikelgröße
  • Schüttdichte, sofern bekannt
  • Fördermenge
  • Förderstrecke
  • Höhenunterschied
  • Rohrleitungsdurchmesser
  • Anzahl und Art der Bögen
  • Anzahl der Abzweige
  • gewünschter Volumenstrom, sofern bekannt
  • erforderlicher Druck beziehungsweise Unterdruck
  • vorhandener Seitenkanalverdichter
  • gewünschte Ventilfunktion
  • Leitungswechsel oder Saug-/Druck-Umschaltung
  • gewünschte Ansteuerung
  • Taktzeit
  • Schalthäufigkeit
  • Umgebungstemperatur
  • weitere Betriebsbedingungen

Am hilfreichsten ist ein einfaches Prozess- oder Rohrleitungsschema mit Eintragstelle, Förderweg, Zielbehältern und den gewünschten Ventilstellungen. Auf dieser Grundlage kann eine technische Vorauswahl wesentlich genauer erfolgen.

Nutzen im Materialtransport

Welche Vorteile bietet ein Stromumkehrventil in pneumatischen Transportsystemen?

  1. Unterschiedliche Förderwege bedienen

Luftstrom gezielt verteilen

Ein Seitenkanalverdichter kann abhängig von der Anlagenverschaltung unterschiedliche Förderleitungen oder Zielstationen versorgen.

  1. Gemeinsame Luftversorgung nutzen

Weniger separate Verdichter erforderlich

Bei geeigneter Anlagenkonfiguration können mehrere Prozesswege mit einer gemeinsamen Luftversorgung betrieben werden

  1. Schneller Förderwegwechsel

Zwischen definierten Zuständen umschalten

Das Stromumkehrventil ermöglicht einen schnellen Wechsel zwischen vorgesehenen Strömungswegen.

  1. Automatisierbare Prozesse

Ventil in die Anlagensteuerung integrieren

Abhängig von der Ventilbaureihe kann die Umschaltung elektrisch, pneumatisch oder feldbusbasiert in den Prozess eingebunden werden.

  1. Flexible Anlagenkonzepte

Förderwege an unterschiedliche Prozesse anpassen

Durch verschiedene Ventil- und Leitungsvarianten können pneumatische Fördersysteme auf unterschiedliche Zielstationen und Prozessabläufe abgestimmt werden.

  1. Zentral gesteuerter Luftstrom

Druck und Vakuum gezielt bereitstellen

Je nach Anlagenkonzept kann der vom Seitenkanalverdichter erzeugte Luftstrom gezielt für Saug- oder Druckprozesse genutzt werden.

Hinweis

Die genannten Vorteile hängen von der tatsächlichen Anlagenverschaltung und der gewählten Ventilausführung ab.

Technische Vorauswahl

Stromumkehrventil für pneumatische Transportsysteme auswählen

SKVTechnik unterstützt Anlagenbauer, Betreiber und Konstrukteure bei der technischen Vorauswahl eines geeigneten Stromumkehrventils und Seitenkanalverdichters für pneumatische Förderanlagen.

Grundlage sind Fördergut, Fördermenge, Rohrleitungsführung, erforderlicher Volumenstrom, Druck beziehungsweise Unterdruck sowie die gewünschte Ventilfunktion.

Diese Angaben helfen uns

 

  • Beschreibung des Fördergutes
  • Fördermenge
  • Rohrleitungsschema
  • Förderstrecke und Höhenunterschied
  • Rohrleitungsdurchmesser
  • vorhandener Seitenkanalverdichter
  • gewünschte Förderwege
  • Druck beziehungsweise Unterdruck
  • Volumenstrom
  • gewünschte Ventilfunktion
  • Steuerungsart
  • Taktzeit und Schalthäufigkeit
  • besondere Umgebungsbedingungen

Senden Sie uns vorhandene Zeichnungen, Rohrleitungsschemata, Typenschilder und technische Daten am besten direkt mit Ihrer Anfrage.

Technischer Hinweis:

Die dargestellten Prozesse und Abbildungen sind schematische Beispiele und stellen keine verbindliche Auslegung eines pneumatischen Transportsystems dar.

Die konkrete Auswahl von Seitenkanalverdichter, Stromumkehrventil, Rohrleitungsquerschnitt und Ventilstellung muss anhand von Fördergut, Förderstrecke, Volumenstrom, Druck beziehungsweise Unterdruck und den Betriebsbedingungen erfolgen.

Nicht dokumentierte Kombinationen und besondere Fördermedien müssen gegebenenfalls zusätzlich technisch geprüft werden.

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