Anwendung von Stromumkehrventilen
Stromumkehrventile für Luftgleittische
Luftgleittische erleichtern das Bewegen von Paketen, Platten und anderen flächigen Werkstücken. Im Blasbetrieb strömt Luft durch die Tischfläche und bildet unter dem Werkstück ein dünnes Luftpolster. Dadurch lässt sich die Last mit deutlich geringerem Kraftaufwand verschieben und positionieren.
Soll das Werkstück anschließend für einen Bearbeitungs-, Prüf- oder Kennzeichnungsschritt festgehalten werden, kann ein Stromumkehrventil die Luftführung auf Saugbetrieb umschalten. Das Werkstück wird dadurch gegen die Tischfläche gezogen und in seiner Position fixiert.
Der Seitenkanalverdichter behält seine Drehrichtung bei. Das Stromumkehrventil verändert ausschließlich die Luftführung zwischen Blasbetrieb, Saugbetrieb und – bei geeigneter Ventilausführung – einer Neutralstellung.
Funktionsprinzip
Wie arbeitet ein Luftgleittisch mit Stromumkehrventil?
Ein Luftgleittisch besitzt eine mit Luftöffnungen versehene Arbeitsfläche. Im Blasbetrieb wird Luft von unten durch diese Öffnungen geführt. Zwischen Tischfläche und Werkstück entsteht dadurch ein Luftpolster, das die Reibung reduziert und ein leichteres Verschieben ermöglicht.
Was passiert am Luftgleittisch?
Der Seitenkanalverdichter fördert Luft unter die Tischfläche. Die ausströmende Luft hebt das Werkstück geringfügig an beziehungsweise reduziert dessen direkte Auflage auf dem Tisch
Pakete, Platten oder andere geeignete flächige Werkstücke können dadurch mit geringerem Kraftaufwand gedreht, verschoben oder an einer vorgesehenen Bearbeitungsposition ausgerichtet werden.
Aufgabe des Stromumkehrventils
Sobald das Werkstück seine vorgesehene Position erreicht hat, kann das Stromumkehrventil die Strömungsrichtung umschalten. Statt Luft durch die Tischfläche auszublasen, wird Luft über die Tischöffnungen angesaugt.
Dadurch wird das Werkstück gegen die Tischfläche gezogen und kann beispielsweise für das Etikettieren, Prüfen, Verschließen, Bearbeiten oder Vermessen fixiert werden.
Wichtig: Das Stromumkehrventil erzeugt weder Druck noch Unterdruck. Es steuert den vom Seitenkanalverdichter erzeugten Luftstrom und leitet ihn entsprechend der gewählten Ventilstellung zum Luftgleittisch.
Drei Prozessschritte
Verschieben, fixieren und wieder freigeben
Der typische Arbeitsablauf an einem umschaltbaren Luftgleittisch lässt sich in drei aufeinanderfolgende Prozessschritte unterteilen.
01 Luftpolster erzeugen
Der Seitenkanalverdichter fördert Luft durch die Tischfläche. Unter dem Paket oder Werkstück entsteht ein Luftpolster, das die Reibung zwischen Werkstück und Tisch reduziert.
02 Positionieren und fixieren
Das Werkstück wird an die gewünschte Bearbeitungsposition verschoben. Anschließend schaltet das Stromumkehrventil auf Saugbetrieb um. Das Werkstück wird gegen die Tischfläche gezogen und für den Arbeitsschritt fixiert.
03 Freigeben und weiterbewegen
Nach Abschluss der Bearbeitung wird die Saugwirkung aufgehoben. Durch erneutes Umschalten auf Blasbetrieb entsteht wieder ein Luftpolster, sodass sich das Werkstück leichter vom Arbeitsplatz wegbewegen lässt.
Auslegungshinweis: Damit der Tisch sowohl im Blas- als auch im Saugbetrieb arbeiten kann, müssen Tischaufbau, Luftöffnungen, Leitungsführung und Werkstückunterseite für beide Strömungsrichtungen geeignet sein.
Auswahl der Ventilstellung
Blasen, Saugen oder Neutralstellung?
Welche Ventilfunktionen benötigt werden, hängt vom Arbeitsablauf ab. Für viele Luftgleittische sind zwei klar definierte Zustände ausreichend: Blasen zum Bewegen und Saugen zum Fixieren.
Blasbetrieb –
Werkstück leicht verschieben
Im Blasbetrieb wird Luft durch die Tischfläche geführt. Die entstehende Luftschicht verringert die Reibung und erleichtert das manuelle oder automatisierte Positionieren des Werkstücks.
Saugbetrieb –
Werkstück für die Bearbeitung fixieren
Nach dem Positionieren wird die Luftführung umgekehrt. Der Seitenkanalverdichter saugt Luft über die Tischfläche ab, sodass das Werkstück gegen den Tisch gezogen und in seiner Lage gehalten wird.
Neutralstellung –
Aktive Luftwirkung unterbrechen
Bei einer geeigneten Ventilausführung kann die aktive Saug- oder Druckwirkung am Arbeitsprozess unterbrochen werden. Dies kann als Übergangsstellung oder zum kontrollierten Wechsel zwischen den Betriebszuständen genutzt werden.
Die genaue Luftführung und Drucksituation in der Neutralstellung richtet sich nach der eingesetzten Ventilbaureihe und der Anlagenkonfiguration.
VS: schneller Wechsel zwischen zwei Zuständen
Die Baureihe VS besitzt zwei Schaltstellungen. Sie kann die Luftführung zwischen Saug- und Druckbetrieb umschalten und eignet sich damit grundsätzlich für Prozesse, bei denen zwischen Bewegen und Fixieren gewechselt wird.
- zwei Schaltstellungen
- Umschalten zwischen Saug- und Druckbetrieb
- magnetische oder pneumatische Betätigung
- Reglerbewegung laut Datenblatt etwa 0,10 Sekunden
- unterschiedliche Anschluss- und Strömungsausführungen
Die Baureihe VS ist außerdem für den Wechsel zwischen unterschiedlichen Luftleitungen vorgesehen.
VI6-34: abgestufte Luftführung
Das VI6-34 besitzt fünf voreingestellte Positionen. Neben vollständiger Absaugung und vollständigem Druckbetrieb stehen teilweise Absaugung, Neutralstellung und teilweiser Druckbetrieb zur Verfügung.
- fünf Ventilpositionen
- vollständige und teilweise Absaugung
- Neutralstellung
- vollständiger und teilweiser Druckbetrieb
- Schrittmotor
- digitale Eingänge oder Modbus RTU
Damit kann die Luftwirkung bei geeigneter Anlagenkonfiguration differenzierter an unterschiedliche Prozessschritte angepasst werden.
Keine pauschale Produktauswahl: Die benötigte Ventilbaureihe richtet sich nicht nur nach der Anzahl der Ventilstellungen. Auch Seitenkanalverdichter, Anschlussgröße, Volumenstrom, Druck, Unterdruck, Steuerung und Einbausituation müssen zusammenpassen.
Technische Voraussetzungen
Was muss bei einem Luftgleittisch berücksichtigt werden?
Die erforderliche Luftleistung hängt von Tischfläche, Werkstück, Luftöffnungen und gewünschter Bewegungs- beziehungsweise Haltewirkung ab. Für Blas- und Saugbetrieb können unterschiedliche Anforderungen gelten.
01 Gewicht des Werkstücks
Je höher das Gewicht, desto mehr Luftleistung kann erforderlich sein, um die Reibung ausreichend zu reduzieren. Das Werkstück wird dabei nicht zwangsläufig vollständig angehoben.
02 Unterseite und Auflagefläche
Eine glatte, geschlossene Unterseite verhält sich anders als ein poröser, strukturierter oder unebener Kartonboden. Undichtigkeiten und offene Bereiche beeinflussen sowohl das Luftpolster als auch die spätere Fixierung.
03 Tischfläche und Luftöffnungen
Anzahl, Größe und Verteilung der Luftöffnungen bestimmen, wie gleichmäßig Luft unter das Werkstück gelangt beziehungsweise beim Saugbetrieb abgeführt wird.
04 Gewünschte Verschiebbarkeit
Die erforderliche Luftmenge hängt davon ab, wie stark die Reibung reduziert werden soll und ob das Werkstück manuell oder automatisch bewegt wird.
05 Erforderliche Fixierung
Beim Saugbetrieb muss die Haltewirkung für den vorgesehenen Arbeitsprozess ausreichen. Seitliche Kräfte beim Etikettieren, Verschließen oder Bearbeiten sind zu berücksichtigen.
06 Taktzeit und Schalthäufigkeit
Bei häufigem Wechsel zwischen Blasen und Saugen müssen Ventilantrieb, Steuerung und zulässige Schaltintervalle auf den Prozess abgestimmt werden.
Wichtig: Ein Luftgleittisch muss konstruktiv für beide Strömungsrichtungen geeignet sein. Ein vorhandener reiner Blaslufttisch kann nicht automatisch ohne technische Prüfung auch als Vakuumtisch verwendet werden.
Welche Angaben benötigt SKVTechnik für die Vorauswahl?
Für eine technische Vorauswahl benötigen wir Informationen zum Luftgleittisch, zum Werkstück, zum gewünschten Arbeitsablauf und zur vorhandenen Steuerung.
Checkliste
- Abmessungen und Aufbau des Luftgleittisches
- Anzahl und Größe der Luftöffnungen
- Tischfläche und Luftverteilung
- Gewicht des Pakets oder Werkstücks
- Abmessungen und Unterseite des Werkstücks
- Werkstückmaterial und Oberflächenbeschaffenheit
- gewünschte Bewegungsrichtung
- manuelle oder automatische Handhabung
- erforderliche Fixierkraft im Saugbetrieb
- vorhandener Seitenkanalverdichter
- Volumenstrom, Druck und Unterdruck, sofern bekannt
- gewünschte Ventilstellungen
- Anschlussgrößen und Leitungsführung
- elektrische, pneumatische oder feldbusbasierte Steuerung
- Taktzeit und Schalthäufigkeit
- Umgebungs- und Betriebsbedingungen
Liegen noch keine vollständigen Luftleistungsdaten vor, kann SKVTechnik anhand von Tischaufbau, Werkstück und Prozessbeschreibung eine technische Vorauswahl unterstützen. Sonderanwendungen und nicht dokumentierte Kombinationen müssen gegebenenfalls zusätzlich mit dem Hersteller abgestimmt werden.
Nutzen am Arbeitsplatz
Welche Vorteile bietet ein Stromumkehrventil am Luftgleittisch?
Der Wechsel zwischen Blas- und Saugbetrieb verbindet leichte Beweglichkeit mit gezielter Fixierung. Dadurch kann ein Arbeitsplatz ergonomischer und der Bearbeitungsablauf übersichtlicher gestaltet werden.
1. Leichteres Bewegen (Kraftaufwand beim Verschieben reduzieren)
Das Luftpolster verringert die Reibung zwischen Werkstück und Tischfläche. Pakete oder Platten können dadurch leichter gedreht, verschoben und ausgerichtet werden.
2. Ergonomische Unterstützung (Körperliche Belastung verringern)
Schwere oder großflächige Werkstücke lassen sich mit geringerem Kraftaufwand handhaben. Dies kann das Bedienpersonal bei wiederkehrenden Bewegungsabläufen entlasten.
3. Gezieltes Fixieren
(Werkstück am Bearbeitungsplatz halten)
Nach dem Positionieren kann der Tisch auf Saugbetrieb umgeschaltet werden. Das Werkstück wird dadurch für den vorgesehenen Arbeitsschritt fixiert.
4. Schneller Zustandswechsel (Bewegen und Bearbeiten an einem Tisch verbinden)
Das Stromumkehrventil wechselt die Luftführung, ohne dass der Seitenkanalverdichter seine Drehrichtung ändern muss.
5. Flexible Arbeitsplatzgestaltung (Unterschiedliche Arbeitsschritte unterstützen)
Verschieben, Ausrichten, Fixieren, Bearbeiten und Freigeben können auf derselben Tischfläche erfolgen, sofern Tisch und Luftversorgung entsprechend ausgelegt sind.
6. Automatisierbare Abläufe (Ventilsteuerung in den Prozess integrieren)
Abhängig von der Ventilbaureihe kann die Umschaltung elektrisch, pneumatisch oder feldbusbasiert in den Arbeitsablauf eingebunden werden.
Bitte beachten: Die tatsächliche Arbeitserleichterung und Haltewirkung hängen vom abgestimmten Zusammenspiel aus Tischkonstruktion, Werkstück, Seitenkanalverdichter, Stromumkehrventil, Rohrleitung und Steuerung ab.
Technische Vorauswahl
Luftgleittisch und Stromumkehrventil passend auslegen
SKVTechnik unterstützt Anlagenbauer, Betreiber und Konstrukteure bei der Vorauswahl eines geeigneten Stromumkehrventils und Seitenkanalverdichters für Luftgleittische.
Grundlage sind Tischaufbau, Werkstückgewicht, gewünschte Beweglichkeit, erforderliche Fixierung, Luftöffnungen, Leitungsführung und Steuerung.
Diese Angaben helfen uns bei der Prüfung
- Foto oder Zeichnung des Luftgleittisches
- Tischabmessungen
- Luftöffnungen und Luftverteilung
- Gewicht und Abmessungen des Werkstücks
- Beschaffenheit der Werkstückunterseite
- Beschreibung des Arbeitsablaufs
- vorhandener Seitenkanalverdichter
- gewünschte Ventilfunktionen
- Anschlussgrößen
- Steuerungsart und Betriebsspannung
- Taktzeit und Schalthäufigkeit
Senden Sie uns vorhandene Zeichnungen, Fotos, Typenschilder oder technische Daten am besten direkt mit Ihrer Anfrage.
Technischer Hinweis: Die dargestellten Abläufe und Abbildungen sind schematische Beispiele und keine verbindliche Einbau-, Anschluss- oder Produktempfehlung. Die konkrete Auswahl erfolgt anhand der Tischkonstruktion, der Werkstückdaten, der benötigten Luftleistung, der Ventilausführung und der Betriebsbedingungen.
Das Stromumkehrventil VI6-34 besitzt laut Datenblatt eine Neutralstellung. Die konkrete Luftführung und Drucksituation am Arbeitsanschluss muss bei der jeweiligen Anlagenkonfiguration geprüft werden.